Grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung Niederösterreich - Südböhmen healthacross

Ausgangslage

Aktuelle Trends

Die internationale Politik, die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes, Kostendruck und Kostenbewusstsein auf Seiten von Finanziers und PatientInnen tragen dazu bei, dass grenzüberschreitende Kooperation auch im Gesundheitssektor an Bedeutung gewinnt.
Die Krankenhausfinanzierung in der gesamten Europäischen Union verlangt nach einer Neu- bzw. Umstrukturierung des Systems, so dass grenzüberschreitende Krankenhauskooperationen als möglicher effizienter Lösungsansatz ins Blickfeld kommen: denn grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung kann dazu beitragen nationale Unzulänglichkeiten zu beseitigen und eine bessere Versorgung der Bevölkerung sowie Kosteneinsparungen durch die optimale Nutzung von Ressourcen zu erzielen. Hauptaugenmerk wird dabei das Reagieren auf die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung sein und der rasche Zugang zu hochqualitativer, wohnortnaher Versorgung - was vor allem in Notfällen oder bei chronischen Krankheiten von besonderer Bedeutung sein kann. Erfahrungswerte aus Projektinitiativen in Europa zeigen, dass es im Verlauf solcher grenzüberschreitender Projekte durch unterschiedliche nationalstaatliche Bestimmungen durchaus auch problematische Aspekte gibt. Daher bedarf es für das Gelingen der Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg einer fundierten Planungsgrundlage bzw. der Regelung durch bilaterale Verträge.

Niederösterreich-Südböhmen

Krankenhaus Gmünd
Krankenhaus Gmünd

Im Grenzgebiet macht die „geteilte“ Stadt Gmünd / České Velenice den Bedarf an Kooperation besonders deutlich: Auf tschechischer Seite ist die Versorgungslage in Grenznähe derzeit - insbesondere die Notfallversorgung betreffend - zumindest problematisch. Der nächste Notarztwagen ist im 35km entfernten Třeboň, das nächste Krankenhaus im 60km entfernten České Budějovice – was zu beträchtlichen Zeitspannen führen kann, bis ein Patient/eine Patientin versorgt wird. Nur wenige hundert Meter von der Grenze entfernt liegt das Landesklinikum Waldviertel-Gmünd (LK Gmünd).Auch für PatientInnen auf österreichischer Seite ist die Möglichkeit einer grenzüberschreitenden Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen von Interesse. Jindřichův Hradec etwa verfügt über eine moderne Dialysestation, die für PatientInnen aus dem Raum Gmünd leicht erreichbar ist. Außerdem gibt es im Bereich Rehabilitation umfangreiche Angebote in Tschechien, die PatientInnen aus Niederösterreich nutzen könnten.
Ein grenzüberschreitender Patientenverkehr und ein Austausch von Leistungen wäre daher für beide Seiten von großem Vorteil.

Regionale Spezifika

Eine Zusammenarbeit im Gesundheitswesen, die in anderen Regionen Europas schon eine lange Tradition hat (z.B. in den Euregios), findet in Zentraleuropa bislang kaum statt. Gründe dafür sind vor allem das beträchtliche Lohn- und Kostengefälle, wie es auch zwischen Österreich und Tschechien besteht. Dadurch ist die stationäre Versorgung für Bürger der neuen EU-Mitgliedstaaten in Österreich oder Ländern mit vergleichbarem Preisniveau kaum leistbar. Diese regionalen Spezifika stellen ernstzunehmende Hürden für grenzüberschreitende Kooperationsprojekte dar. Die Durchführung von Pilotprojekten in Zentraleuropa ist aber gerade im EU-Kontext von höchster Relevanz, weil es gilt, die Grundfreiheiten des freien Dienstleistungs- und Personenverkehrs für Bürger und Bürgerinnen aller EU-Mitgliedstaaten gleichermaßen zu garantieren.